Der Film

Die Visionen des Regisseurs

1981 nahm DAS BOOT seine Zuschauer erstmals auf eine außergewöhnliche Reise mit. Das Publikum stach zusammen mit der U-96 – einem jener berühmten U-Boote, die im Nordatlantik patrouillierten und für die englische Flotte eine ernsthafte Bedrohung darstellten – in See und nahm an zahllosen lebensgefährlichen Kämpfen teil, die sich die erschöpfte und verzweifelte Crew mit feindlichen Zerstörern lieferte. Dabei hatten die Besatzungsmitglieder zu keiner Zeit im Sinn, den Krieg zu gewinnen, sondern wollten nur wieder heil zu Frau und Kindern zurückkehren. Während der nächsten 15 Jahre wurde DAS BOOT von renommierten Kritikern und Filmemachern, darunter auch Steven Spielberg, immer wieder als einer der besten Filme aller Zeiten gewürdigt. Hervorgehoben wurde dabei vor allem die außergewöhnliche Intensität der Inszenierung und der hohe handwerkliche und technische Standard, die das moderne Action-Kino entscheidend beeinflusst hätten.

Wieso kam er also überhaupt die Idee auf, einen Klassiker verbessern zu wollen?

In diesem Fall lag es ganz klar an der ungewöhnlichen Produktionsweise des Films. Anfang der 80er Jahre verfolgte Wolfgang Petersen zwei Ziele bei der Inszenierung des U-Boot-Actioners: einerseits einen großen Kinofilm für ein internationales Publikum zu produzieren, andererseits ein sechs Stunden langes Epos für das Fernsehen fertigzustellen. Wolfgang Petersen und seinem Cutter Hannes Nikel gelang es, ein Leinwandwerk auf die Beine zu stellen, dass sowohl den Zuspruch der Kritiker als auch den des Publikums fand. Aber Petersen hatte immer das Gefühl, dass der Film noch besser sein könnte. Die über 300.000 Meter Filmmaterial boten ihm jetzt die Grundlage, um endlich seine Idealvorstellung verwirklichen zu können. Dazu sagte Petersen: „Obwohl meine Arbeit im Kino gut funktionierte, wollte ich trotzdem immer schon auch meine ursprüngliche Version inszenieren. Also eine Fassung, die nach rein künstlerischen Gesichtspunkten konzipiert sein sollte, und nicht nach kommerziellen. Bei dem mannigfaltigen Ausgangsmaterial, das uns zur Verfügung stand, war es daher eine Selbstverständlichkeit, dass wir die seltene Chance ergriffen, einen Film dahingehend zu verbessern.“

Petersen, der sich während seiner gesamten Laufbahn stets für die neuesten technischen Errungenschaften auf dem Filmsektor interessierte, war natürlich auch von der Idee fasziniert, DAS BOOT heutigen Standards anzugleichen.

„Das Konzept des Films war von Anfang an auf extremen Realismus ausgelegt. Das Publikum sollte die klaustrophobische und gespannte Atmosphäre an Bord so nah wie nur irgend möglich miterleben. Die heutige Technik gibt uns dafür die idealen Mittel zur Hand“, so Petersen begeistert. „Vor allem der digitale Ton intensiviert das Erlebnis für den Zuschauer. Für die Männer an Bord war das Ohr ihr wichtigstes Sinnesorgan. Es gab keine Fenster und keine Fluchtmöglichkeit, also konzentrierten sie sich auf Geräusche als Orientierungspunkte. Diese Notwendigkeit sollte die Zuschauer verstehen lernen. Also kam es entscheidend darauf an, dass die Soundeffekte so realistisch wie möglich waren.“

Großen Wert legte Petersen auch auf die noch genauere Ausarbeitung der Charaktere, einen Aspekt, den er schon während der ersten Filmfassung ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückte. „Die nervenzerreißende Spannung, die zwischen Menschen entsteht, die zusammen in einem engen Raum gefangen sind, hat mich schon immer stark interessiert. Keiner kann sich zurückziehen, wodurch man als Filmemacher gezwungen ist, sich ausschließlich auf die menschlichen Beziehungen sowie die spannungsgeladene Atmosphäre an Bord zu konzentrieren“, erzählt Petersen, der mit „Air Force One“ gerade weltweite Erfolge feiert. „Und ich glaube, dass diese Fassung jetzt endlich so in sich geschlossen ist, wie ich mir das immer vorgestellt habe. Dies wird sich hoffentlich auf für die Zuschauer insoweit bemerkbar machen, als sie sich den Charakteren noch näher fühlen als zuvor und wirklich verstehen, was es für die Crewmitglieder bedeutete, in einem U-Boot zu dienen.“

Ortwin Freyermuth merkt dazu an: „ Der größte Unterschied des ‚Director’s Cut‘ zu derjenigen von 1981 besteht wohl darin, dass die Träume der Matrosen von zuhause und ihre Beziehung untereinander, die unfassbare Angst, die sie auszustehen hatten und die ungeheure Anspannung während der Action-Szenen jetzt unmittelbar nachfühlbar sind. Diese Version bringt das Kernthema des Films – die Unmenschlichkeit des Krieges – in jeder Beziehung stärker zur Geltung.“